- Aktion beim Frankfurter Marathon brachte über 16.000 € Spenden -
Die Zeiten sind nicht leicht für soziale Einrichtungen. Die Finanzdecke wird immer knapper, engagierte Mitglieder werden älter, ziehen sich zurück und es gilt, junge Leute zu finden, die bereit sind, sich einzubringen. Auch die Lebenshilfe Wetterau - vor mehr als 40 Jahren von Eltern und Freunden behinderter Menschen gegründet - setzt sich mit diesen nicht immer leichten Aufgaben auseinander. Und doch kann man sich derzeit im Friedberger Haus des Selbsthilfevereins über einen ganz unge-wöhnlichen Erfolg freuen. Man entwickelte nicht nur die neue sportliche Disziplin "42-Kilometer-Lauf mit schweren Sammelbüchsen", sondern konnte innerhalb eines Monates mehr als 16.000 Euro Spenden auf das Konto holen.
Manche Lebenshilfe-Eltern und einige Mitarbeiterinnen der Lebenshilfe sind begeisterte Läufer und Läuferinnen. Im Gespräch kamen Frühfördermitarbeiterin Edwina Noss-Wittig und Jochen Rolle, Vater einer Tochter mit Down Syndrom und Mitglied im Beirat der Lebenshilfe, auf die Idee eines Sponsorenlaufes. Solche Veranstaltungen sind in den angelsächsischen Ländern äußerst populär. Der Vorstand gab grünes Licht und bald tauchte überall in der Wetterau ein Flyer auf. "Leidensfähige Marathoninnen und Marathonen" wurden ebenso gesucht wie Paten, die für jeden gelaufenen Kilometer eine kleine Summe spenden. Es fanden sich tatsächlich "Lei-densfähige" - 13 Einzelläufer und 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer von fünf Staffeln waren bereit, in Frankfurt an den Start zu gehen: Betroffene Eltern, Lebenshilfe-Mitarbeiterinnen, Sportler aus regionalen Vereinen. Ebenso sagten weit über 100 Sponsorinnen und Sponsoren Spenden zu - von industriellen Großbetrieben bis zu Nachbarn des Lebenshilfehauses, von Banken und Finanzdienstleistern bis zu klei-nen Einzelhandelsgeschäften. Die Vorgespräche mit ihnen waren eine gute Gelegenheit, über die Arbeit der Lebenshilfe zu informieren. Viele Details mussten organisiert werden, Edwina Noss-Wittig und Jochen Rolle hatten alle Hände voll zu tun, Frühförderstellenleiterin Cornelia Zürn unterstützte sie dabei. Im Rahmen einer großen vergnügten Pasta-Party im Lebenshilfe-Haus sprachen die beiden Organisatoren mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Marathons alle Einzelheiten durch.
Dann kam der große Tag. Erkennbar an den roten T-Shirts mit dem Lebenshilfe-Aufdruck ging das Team aus der Wetterau an den Start. Dabei waren langjährige Läufer und Leichtathletik-Lokalmatadore wie auch Newcomer, zwar im Training vorbereitet, aber doch von Lampenfieber geplagt. Vorher hatte es noch kleine Turbulenzen gegeben: Eine Lebenshilfe-Mitarbeiterin hatte ihr Auto am Sonntagmorgen kurz nach neun Uhr bei der Rennbahn Niederrad geparkt und wollte mit dem öffentlichen Nahverkehr in die Innenstadt. Doch - nichts ging mehr. Hilfsbereite Beamte der Frankfurter Schutzpolizei fuhren die verzweifelte Staffelläuferin in der "Grünen Minna" zur Messe - sie kam noch pünktlich an. Mitarbeiterinnen von Frühförderung, Familienentlastendem Dienst, Betreutem Wohnen und der Verwaltung machten gemeinsam mit Eltern aus den Selbsthilfe-Gruppen in der Zuschauermenge auf die Lebenshilfe aufmerksam und sammelten Spenden.
Offensichtlich spricht die Verbindung von sportlichem Einsatz und sozialem Engagement auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten die Menschen an. Geradezu überwäl-tigende Erfahrungen machten Jochen Rolle und Alexander Adam (beide TSV Friedberg-Fauerbach). Die beiden Topsportler verzichteten von vornherein auf Bestzeit-Streben und machten sich mit der Sammelbüchse auf die Strecke. Die Idee zündete - eine komplette Müllwerkerkolonne spendete Mann für Mann bei Alexander Adam. Polizisten und viele, viele Zuschauer gaben Beiträge. Überrascht wurde Jochen Rolle mitten im Lauf. "Hey Sammler" kam ein Ruf von hinten. "Echt Superaktion, warte auf mich!" Der andere Marathone holte auf, zog Geld aus der Gürteltasche, warf es ein und sprintete weiter. Kein Wunder, dass Jochen Rolles Sammelbüchse bei Kilometer 31 komplett voll war. Auch hier ging nichts mehr! Für Rolle und Adam wurde der Sammelbüchsenlauf eine echte sportliche Herausforderung. Adams randvolle Büch-se, nach dem Lauf auf die Waage gestellt, hatte satte 2,8, Kilogramm, Rolles etwas größere Büchse brachte es auf über 3. In Wechselzone 3 wurde Cornelia Zürn gar von Weitsprung-Olympiasiegerin Heike Drechsler angesprochen: "Eure Idee find ich toll!" Als Rolle und Adam über den roten Teppich der Zielstrecke in der Festhalle liefen, wurde auch der Hallensprecher aufmerksam und interviewte sie. Die Zuschauermenge ließ sich über den Sponsorenlauf der Lebenshilfe informieren und quittierte mit donnerndem Beifall.
Eine sehr gelungene Aktion, ist man sich im Lebenshilfevorstand einig - und zugleich eine ausgezeichnete Gelegenheit, junge Eltern samt ihrem Schwung und ihren Ideen in die Arbeit einzubinden. Fazit im Lebenshilfe-Haus: "Der Sponsorenlauf hat das Wir-Gefühl gestärkt - zwischen Ehren- und Hauptamtlichen, zwischen den organisierten Mitgliedern und den Bürgerinnen und Bürgern der Region, die unsere Arbeit schätzen!"
Cornelia Zürn, Edwina Noss-Wittig
Hauptstraße 25-29
61169 Friedberg
Telefon: 06031 / 68 456 - 120
fruehfoerderung(at)lebenshilfe-wetterau.de
Sie können auch unser Kontaktformular benutzen. Wählen Sie bitte als Betreff "Marathon".
Jochen Rolle
Am Gänsberg 9
61231 Bad Nauheim
Telefon: 06032 / 94 92 54